Sie blickte nach unten und strich mit ihrer freien Hand über die Seide ihres Rocks. Sie zwang ihre Lungen, einen langsamen, tiefen Atemzug zu nehmen, und versuchte, die Erschöpfung zu unterdrücken, die sich in ihrer Brust festgesetzt hatte, weil sie drei Nächte lang wach geblieben war, um sein Geschenk fertigzustellen.
Ihre Stilettos sanken bei jedem Schritt in den dicken Perserteppich. Das dichte Material schluckte das Geräusch ihrer Schritte vollständig und ermöglichte es ihr, in absoluter Stille näherzukommen.
Am anderen Ende des Flurs stand die schwere Mahagonitür zur VIP-Suite einen Spalt offen. Ein Spalt gelben Lichts fiel auf den Boden, begleitet vom wummernden Bass der Musik und dem überlappenden Gemurmel männlicher Stimmen.
Fiona verlangsamte ihr Tempo. Ein kleines, echtes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich Kevons Gesichtsausdruck vorstellte, wenn er die Schachtel öffnete und die antike Uhr sah, die sie monatelang aufgespürt hatte. Sie passte ihren Griff an der Samtbox an, ihr Daumen strich über den weichen Stoff.
Sie erreichte die Tür, ihre Hand streckte sich nach dem messingfarbenen Griff aus. Bevor ihre Finger Kontakt aufnahmen, verstummte die Musik in der Suite abrupt. Die plötzliche Stille war ohrenbetäubend, und die Leere des Klangs machte die Stimmen im Inneren schockierend klar.
„Im Ernst, Mann", drang Prestons Stimme durch den Spalt, mit dem trägen Tonfall eines Halbbetrunkenen. „Wann heiratest du Fiona eigentlich? Die Gesellschaftsseiten werden langsam ungeduldig."
Fionas Hand erstarrte einen Zentimeter vor dem Messing. Ihr Atem stockte in ihrer Kehle. Sie wartete, ihr Puls pochte plötzlich in ihren Ohren, verzweifelt darauf bedacht, die Bestätigung zu hören, die ihr drei Jahre lang gegeben worden war.
Ein kaltes, abfälliges Schnauben hallte von drinnen wider. Das Geräusch war schmerzlich vertraut. Es war Kevon.
„Heirat?", Kevons Stimme war flach, bar jeder Wärme. „Es ist nur eine notwendige Transaktion. Die Familie Baxter braucht ein vorzeigbares, gehorsames PR-Aushängeschild, und sie passt zur Beschreibung. Vorerst."
Fionas Herz krampfte sich in ihrer Brust zusammen. Es fühlte sich an, als wäre eine physische Klammer um ihre Rippen gezogen worden, die den Blutfluss stoppte. Ihre Finger wurden zu Eis und schwebten nutzlos in der Luft. Ihr Verstand wurde völlig leer, die Fantasie, die sie sich aufgebaut hatte, war wie weggewischt.
„Komm schon", drängte Preston, sein Tonfall wurde ernster. „Sie hat alles in deine Karriere gesteckt, Kev. Sie hat sogar die Patentrechte an der ‚Starlight‘-Serie überschrieben. Das war Millionen wert."
Kevon unterbrach ihn mit einem irritierten Zungenschnalzen. „Das war der Eintrittspreis. Sie ist eine Niemand aus Brooklyn, die sich an eine Top-Familie hängen wollte. Die Übergabe dieser Patente war das Mindeste, was sie für das Privileg tun konnte, meinen Namen zu tragen."
Ein heftiger Krampf verkrampfte Fionas Magen. Säure brannte im hinteren Teil ihrer Kehle. Sie taumelte zur Seite, ihre Schulter traf die kalte, harte Wand des Korridors. Der Putz war rau an ihrem nackten Arm, das Einzige, was sie aufrecht hielt, während ihre Knie drohten einzuknicken.
Eine andere Stimme mischte sich ein – Lachlan, amüsiert klingend. „Apropos Privilegien… was ist mit Kayla? Du hast sie ziemlich gut versteckt gehalten."
Beim Klang von Kaylas Namen weiteten sich Fionas Pupillen. Eine rasante Montage spielte sich vor ihren Augen ab: die abgesagten Abendessen, die unbeantworteten Anrufe, die Wochenenden, die Kevon angeblich außer Haus verbrachte, während sie allein im Penthouse saß.
Kevons Tonfall erfuhr eine sofortige Verwandlung. Die Kälte verschwand, ersetzt durch eine sanfte, schützende Wärme, die Fiona eine Gänsehaut bereitete. „Kayla ist anders. Sie ist die einzige Frau, die ich jemals wirklich heiraten wollte. Sie ist echt."
„Echt?", lachte Lachlan. „Fiona steht bei jeder Gala direkt an deiner Seite."
„Fiona ist arrogant und kontrollierend", schnappte Kevon, die Wärme verflüchtigte sich wieder zu Verachtung. „Jedes Mal, wenn ich sie ansehe, sehe ich den Grund, warum Kayla damals so sehr gelitten hat. Sie erstickt mich."
Die Worte trafen Fiona wie ein physischer Schlag auf das Brustbein. Sie keuchte, ihre Lungen weigerten sich, sich auszudehnen. Ein scharfer, stechender Druck baute sich hinter ihren Augen auf und drohte überzulaufen.
Sie senkte ihren Blick auf die Samtbox in ihrer Hand. Sie hatte drei Monate lang mit einem Sammler in Genf über diese Uhr verhandelt. Sie hatte die Gravur personalisiert. Sie hatte gedacht, es sei ein Symbol ihrer Zukunft. Jetzt sah es nur noch aus wie ein erbärmliches Opfer an einen Gott, der nicht existierte.
Vom anderen Ende des Korridors kam das leise, ferne Klingeln des ankommenden Aufzugs. Fiona schnappte aufrecht. Sie blinzelte schnell und zwang die Feuchtigkeit zurück in ihre Tränenkanäle. Sie glättete ihren Ausdruck und löschte jede Spur von Verletzlichkeit. Als sie aufblickte, war ihr Gesicht eine Maske aus kaltem, unnachgiebigem Stein. Das Geräusch war ein notwendiger Ruck gewesen – eine Erinnerung daran, dass sie nicht ewig hier stehen und sich wie ein Geist im Schatten verstecken konnte.
Sie wandte sich wieder dem Spalt in der Mahagonitür zu. Das Brennen in ihrer Brust war erloschen, ersetzt durch eine eiskalte, absolute Klarheit. Die Trauer war verschwunden. An ihrer Stelle war eine scharfe, beißende Wut. Drei Jahre. Drei Jahre ihres Lebens, ihres Talents, ihrer Ressourcen, die dazu verwendet wurden, einen undankbaren Parasiten zu füttern.
Sie sah die Samtbox an. Sie zögerte nicht. Sie wandte sich der antiken Porzellanvase zu, die auf dem Konsolentisch neben der Tür stand. Sie schob die Schachtel tief in die Öffnung der Vase und drückte sie nach unten, bis sie in den trockenen Zierzweigen verschwand. Sie traf mit einem dumpfen, befriedigenden Aufprall auf den Boden.
Sie griff in ihre Clutch und zog ihr Telefon heraus. Ihr Daumen bewegte sich schnell über den Bildschirm und navigierte zu Kevons Kontakt. Sie tippte auf die Einstellungen, wählte „Keine" für seinen Klingelton und blockierte dann seine Benachrichtigungen vollständig.
Fiona atmete tief ein und füllte ihre Lungen mit der kalten, zirkulierenden Luft des Korridors. Sie richtete ihre Wirbelsäule auf, ihre Schultern zogen sich zurück. Es gab jetzt keine Zögerlichkeit mehr in ihrer Haltung.
Sie drehte sich nicht um, um zu gehen. Sie streckte die Hand aus, ihre Finger umschlossen den kalten Messinggriff. Sie stieß die Tür mit all ihrer Kraft auf, das schwere Holz schlug mit einem donnernden Krachen gegen die Wand.