Sean Hayes' Brüllen durchschnitt den sintflutartigen Regen wie eine Klinge, scharf genug, um den Donner zu durchdringen, der über ihnen grollte. Chloe Sinclair wagte es nicht, zurückzublicken. Sie umklammerte die erdrückenden Lagen ihres maßgeschneiderten seidenen Hochzeitskleides und riss den Saum mit einer Wildheit hoch, die den Stoff sauber zerriss. Das Kreischen der reißenden Seide wurde von einem Donnerschlag verschluckt, und der Regen peitschte auf ihre nackten Schultern wie Eisscherben, was Gänsehaut auf ihrer aschgrauen Haut hervorrief. Jeder keuchende Atemzug verbrannte ihre Lungen, die eisige Luft schabte ihren Hals wund, wie Sandpapier an einer Wunde.
Sie rammte ihre Schulter gegen die Hoteltür zum Notausgang – verrostet, schwer, unerbittlich –, und diese gab mit einem Ächzen nach, wodurch sie in eine schmale, pechschwarze Gasse stürzte. Die Kälte traf sie wie ein Faustschlag in die Brust, ihre Zähne klapperten so heftig, dass ihr Kiefer schmerzte. Hinter ihr durchschnitten die suchenden Lichtkegel von Taschenlampen den Regen und warfen verzerrte, bedrohliche Schatten, die an den Ziegelwänden tanzten – ein Beweis dafür, dass die Wachen ihr dicht auf den Fersen waren.
Sie musste rennen.
Am Ende der Gasse ragte ein Maschendrahtzaun auf. Chloe warf sich darauf, ihre klammen Finger krallten sich um den nassen, glitschigen Draht. Sie zog sich hoch, ihr durchnässtes Kleid zog sie wie ein Bleigewicht nach unten. Als sie ihr Bein über die Oberkante schwang, rutschte ihre Handfläche ab – eine scharfe, verrostete Kante schnitt tief in ihr Fleisch, ein Schnitt, der sofort warmes Blut hervorquellen ließ. Es vermischte sich mit dem eisigen Regen, strömte ihr Handgelenk hinunter und brannte wie Feuer.
Sie verkniff sich einen Schrei und ließ sich auf der anderen Seite auf den Beton fallen. In dem Moment, als ihre Füße den Boden berührten, brach ihr Designer-Stilettoabsatz sauber ab. Ihr rechter Knöchel knickte mit einem widerlichen Knacken um, und ein stechender Schmerz schoss ihr Bein hinauf, sodass ihr übel wurde. Sie sank auf die Knie, der nasse Asphalt schürfte ihre Haut auf, und durch den Schleier aus Regen und Schmerz brachen aus der Dunkelheit zwei blendende Scheinwerfer hervor.
Ein schwarzer Rolls-Royce Phantom glitt lautlos wie ein Gespenst am Eingang der Gasse zum Stehen. Chloe warf einen Arm über die Augen, geblendet vom Schein. „Da ist sie! Blockiert den Ausgang!" Seans Stimme dröhnte über den Zaun, schwere Stiefel polterten hinter ihr – sie kamen schnell näher.
Panik schnürte ihr die Brust zu, erstickte sie. Sie konnte nirgendwohin mehr fliehen. Angetrieben vom reinen Überlebensinstinkt, schleppte sie sich hoch und humpelte auf das riesige Auto zu. Drinnen trat der Fahrer auf die Bremse; die Reifen quietschten auf dem glatten Asphalt und hielten so nah an ihren Beinen, dass sie die Hitze des Auspuffs spüren konnte.
Chloe presste ihre Hände auf die kalte, nasse Motorhaube, um sich abzustützen, und beugte sich vor, um durch die vom Regen verschmierte Windschutzscheibe zu spähen – doch die dunkle Tönung spiegelte nur ihr eigenes Elend wider: durchnässtes Haar, das an ihrem Gesicht klebte, ein zerrissenes Hochzeitskleid, Blut, das von ihrer Handfläche tropfte, und ein Knöchel, der bei jedem Herzschlag pochte. Sie sah aus wie ein Geist, verzweifelt und gebrochen.
Das hintere Seitenfenster fuhr nur einen Spalt weit herunter. Warme, klimatisierte Luft strömte heraus, trug den reichen, berauschenden Duft von Zedernholz und dunklem Tabak mit sich – ein scharfer Kontrast zum eisigen Regen, der sie noch stärker frösteln ließ. Sie stolperte zur Seite und schlug ihre blutigen Hände gegen das kugelsichere Glas.
„Bitte", würgte sie hervor, ihre Stimme rau und brüchig. Blutige Handabdrücke verschmierten das makellose Glas, ein stummer Hilferuf.
In der dämmrigen Kabine lehnte sich Carlisle Holder gegen handgenähtes Leder zurück, sein Gesicht eine Maske völliger Gleichgültigkeit – bis seine dunklen Augen auf die Frau draußen fielen. Seine Finger umklammerten das Tablet in seiner Hand fester, die Knöchel wurden weiß, das Gerät knarrte leise unter dem Druck. Sie war es.
Draußen umzingelten Sean und drei Wachen sie. Er packte ihren nackten Arm, seine fleischigen Finger gruben sich so fest in ihre Haut, dass es blaue Flecken hinterließ. „Hören Sie auf zu rennen, Miss Sinclair", spuckte er und riss sie zurück. Chloe schrie, zappelte, und der Träger ihres Kleides riss, wodurch ihr Schlüsselbein entblößt wurde. Sie stemmte die Fersen in den Boden und drehte sich zum Autofenster. „Helfen Sie mir!"
Sean beugte sich zum getönten Glas, schlug mit der Faust dagegen – hart, doch die Schalldämmung schluckte das Geräusch. Er legte die Hände um seinen Mund und rief durch den Spalt über den Regen hinweg: „Meine Entschuldigung! Das ist eine Angelegenheit der Familie Sinclair – wir werden sie sofort entfernen!"
Im Auto fixierte Carlisles Blick Seans Finger, die sich in Chloes blasse Haut gruben. Ein dunkler, heftiger Sturm zog über seine Augen, die Luft in der Kabine sank um zehn Grad. „Öffnen Sie die Tür", sagte er, seine Stimme tief, flach und schwer von einer Autorität, die keinen Widerspruch duldete.
Darrien, sein persönlicher Assistent, zögerte nicht. Er drückte den Knopf, und die Wagentür glitt lautlos auf. Er trat in den Regen hinaus, spannte einen schwarzen Regenschirm auf, der die Kabine vor den Blicken der Wachen schützte – und zog mit seiner freien Hand eine mattschwarze Glock, deren Sicherung mit einem Geräusch, das den Platzregen durchdrang, entsperrt wurde. Der Lauf zeigte auf den Boden, aber die Botschaft war klar.
Sean erstarrte. Seine Augen huschten von der Waffe zum maßgefertigten Nummernschild des Rolls-Royce – und alle Farbe wich aus seinem Gesicht. Er ließ Chloes Arm los, als ob er brannte, und stolperte rückwärts.
Ohne seine Unterstützung versagte Chloes verletzter Knöchel. Sie kippte nach vorne und fiel in den dunklen Innenraum des Wagens. Eine große Hand schoss aus den Schatten – lange, elegante Finger, geschmückt mit einer Patek Philippe Uhr – und umklammerte fest ihre Taille. Sie prallte gegen eine Brust, hart wie Granit, die Wärme und der Zedernholzduft umhüllten sie, ein plötzliches, überwältigendes Gefühl der Sicherheit, das ihre Entschlossenheit zerbrach. Eine heiße Träne glitt ihre eiskalte Wange hinunter.
Carlisle zog sie ganz in die Kabine, seine Bewegungen schnell, aber vorsichtig – ihre blutige Handfläche meidend. Die Tür schlug zu und schnitt den Sturm, die Wachen, die Welt draußen ab. Die Kabine versank in Totenstille, nur unterbrochen von Chloes keuchendem Atem und dem leisen Ticken der Autouhr.
Sie sank auf die Kaschmir-Fußmatten, schob sich nasses Haar aus den Augen, um aufzublicken – und traf auf ein Paar Augen, so dunkel und kalt wie ein zugefrorener See. Carlisle blickte auf sie herab, sein Ausdruck war unleserlich. Er zog ein frisches, monogrammiertes Taschentuch aus seiner Tasche und hielt es ihr hin.
„Wohin?", fragte er, sein Ton ruhig.