Ich führte das Schwarzholz-Rudel als seine Luna, die Schicksalsgefährtin des Alphas und die ranghöchste Frau im Rudel. Jede meiner Handlungen wurde von einem einzigen Ziel angetrieben: auf seine Heimkehr zu warten.
Ein langer, tiefer Hornstoß hallte aus dem Tal wider.
Das Signal des Spähers.
Die Menge, die sich im Vorgarten des Rudelhauses versammelt hatte, brach in Jubel aus.
Ein tosender Jubel rollte über den Rasen, als alle zur Hauptstraße strömten, die Gesichter von Aufregung und Ehrfurcht erhellt.
Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen.
Nervös glättete ich die Falten meines silberweißen Kleides und fühlte mich wie das achtzehnjährige Mädchen, das ihn vor all den Jahren zum ersten Mal getroffen hatte.
Der Konvoi aus schwarzen SUVs rollte die Auffahrt hinauf und hielt in der Mitte des gepflegten Rasens.
Der vorderste war seiner.
Ich wusste es so sicher, wie ich meinen eigenen Herzschlag kannte.
Die Tür öffnete sich, und Jaxsons große, kräftige Gestalt trat heraus.
Er trug seine Uniform, und eine neue Narbe über seiner Augenbraue ließ ihn nur noch rauer und attraktiver aussehen.
Er war müde, das konnte ich an seiner Haltung sehen, aber er war immer noch der Alpha, dem meine Seele gehörte.
Mein Lächeln erstarrte auf meinem Gesicht.
Er sah mich nicht an.
Stattdessen drehte er sich mit bedächtigen Bewegungen zum Auto um und half einer Frau beim Aussteigen.
Sie war eine kleine, zerbrechlich wirkende Frau, deren Hand schützend auf ihrem geschwollenen Bauch lag.
Ein kleiner Junge folgte ihr, krallte sich an ihren Rock und spähte hinter Jaxsons Bein hervor, um mich anzustarren.
Die Frau hob den Kopf, und ihre Blicke trafen sich mit meinen.
Sie schenkte mir ein Lächeln, das eine seltsame Mischung aus Schüchternheit und Herausforderung war.
Sie drückte sich an Jaxsons Seite, als wäre sie diejenige, die dorthin gehörte.
Der Jubel des Rudels erstarb und wurde von einer dichten, verwirrten Stille abgelöst.
Jaxson räusperte sich, seine Stimme klang voller Autorität eines Alphas.
„Das sind Julianne und ihr Sohn Tuan. Während des Krieges ist ihr Vater gestorben, als er mein Leben rettete. Ich schulde ihnen alles.“
Meine Welt wurde still.
Das einzige Geräusch war das Rauschen meines eigenen Blutes in meinen Ohren.
Die Augen des Rudels waren auf mich gerichtet, Hunderte von ihnen, ein Sturm aus Mitleid, Verwirrung und ein paar grausamen Funken der Genugtuung.
Endlich fand mich Jaxsons Blick.
Die bernsteinfarbenen Augen, von denen ich zwei Jahre lang geträumt hatte, zeigten keine Freude, keine Erleichterung über das Wiedersehen.
Nur einen Befehl und ein Aufflackern von Ungeduld.
Er führte die Frau und ihr Kind auf mich zu, jeder Schritt eine schwere Last auf meiner Brust.
„Dawn“, drang seine Stimme durch unsere private Verbindung in meine Gedanken, kalt und hart wie Stein. „Sie sind meine auserwählte Familie und sie trägt mein Kind. Von nun an sind sie Teil dieses Rudels. Ich erwarte, dass du sie willkommen heißt, wie es sich für eine wahre Luna gehört.“
Meine innere Wölfin stieß ein gequältes, kehliges Wimmern aus.
Auserwählte Familie?
In unserer Welt ist die Verbindung durch einen Schicksalsgefährten heilig und unzerbrechlich, von der Mondgöttin selbst bestimmt.
Es gab keine „auserwählte Familie“, die sich darüber hinwegsetzen konnte.
Und doch stand er hier und spuckte auf dieses göttliche Gesetz. Vor mir, seiner Schicksalsgefährtin?
Juliannes kränklich süße Stimme durchbrach die Stille. „Es ist so schön, dich kennenzulernen, Dawn. Jaxson hat mir so viel von dir erzählt.“
Ich starrte auf ihr falsches Lächeln, auf das Kind in ihrem Bauch, das meinem Gefährten gehörte.
Ich konnte die Tränen nicht spüren, von denen ich wusste, dass sie auf meinen Wangen sein mussten.
Alles, was ich fühlte, war eine tiefe, sich ausbreitende Kälte, die mich von innen heraus zu gefrieren schien.
Jaxson bemerkte mein Schweigen und seine Stirn legte sich in Falten. Seine Stimme war scharf. „Dawn. Mach es nicht für alle schwierig.“
Ich hob den Kopf und sah ihm in die Augen, und zum ersten Mal sah ich, dass da nichts für mich in ihnen war.
Nur kalte, harte Pflicht.
Ich ignorierte Julianne vollständig.
Mein Blick war auf ihn fixiert.
Mit letzter Kraft sprach ich, meine Stimme klar und fest.
„Willkommen zu Hause, Alpha Fisher.“
Ich benutzte seinen formellen Nachnamen.
Nicht den Namen, den ich im Dunkeln flüsterte.
Es war eine Erklärung.
Etwas zwischen uns war gerade zerbrochen.
Seine bernsteinfarbenen Augen weiteten sich, ein Anflug von Schock lag in ihrer Tiefe.
Er verstand.
Ich drehte mich um und bahnte mir meinen Weg durch die fassungslose Menge, ohne zurückzublicken.
Hinter mir hörte ich das aufkommende Gemurmel von Geflüster und Jaxsons leises, wütendes Knurren.
Meine Schritte waren gleichmäßig und fest, obwohl sich jeder anfühlte, als würde ich über Glasscherben gehen.
Ich hielt nicht an, bis ich die leere Suite der Luna erreichte.
Ich schloss die Tür und schloss damit die Welt aus.
Mein Körper glitt an dem kühlen Holz der Tür hinab, bis ich auf dem Boden saß.
Endlich ließ ich ein einziges, stilles Schluchzen über meine Lippen kommen.
Draußen vor dem Fenster schoss das Feuerwerk, das wir für seine Feier geplant hatten, in den Himmel und explodierte in einer wunderschönen, spöttischen Lichtshow.
Inmitten der ultimativen Demütigung und des Herzschmerzes dachte ich nicht an Tränen, sondern daran, was als Nächstes kommen würde.
Ein Plan, ein Keim des Überlebens, begann sich in den Ruinen meines Herzens zu formen.