Einen Moment später richtete sich Isaac Morgan, ihr Mann, langsam auf. Auf seinem Gesicht zeigte sich nicht die geringste Spur von Schuld, nur die leichte Verärgerung eines Menschen, dessen persönlicher Moment gestört worden war.
Er wandte sich Millie, seiner Geliebten, zu und stieß einen Seufzer aus, der frei von jedem Vorwurf war. „Ich habe dir gesagt, du sollst die Tür abschließen.“
„Ich habe es vergessen“, antwortete Millie mit süßer, koketter Stimme. Sie schmollte, bevor sie in aller Ruhe den Träger ihres Kleides zurechtrückte. Ihr Blick glitt zu Madelynn, und ein leichtes Lächeln kräuselte ihre Lippen. „Du bist also Madelynn. Du siehst mir wirklich ähnlich.“
Die Worte trafen tief.
Eine eisige Kälte breitete sich in ihr aus, während ihre Augen auf Isaac ruhten. „Wer ist sie?“
Isaac sah sie an, als wäre sie nur eine Angestellte, die versehentlich das falsche Büro betreten hatte. Er gab keine Antwort.
Stattdessen zog er einen Stapel Scheidungspapiere aus seiner Schreibtischschublade, warf sie auf den Tisch und sah sie mit ausdrucksloser Miene an. „Gutes Timing. Unterschreib sie.“
Madelynn ignorierte die Dokumente und wiederholte hartnäckig: „Wer ist sie?“
„Millie Bennett. Die Frau, die ich liebe. In gewisser Weise ist sie auch der Grund, warum du meine Frau geworden bist. Hättest du ihr nicht geähnelt und hätte meine Großmutter dich nicht gemocht, wärst du nie in die Familie Morgan eingeheiratet. Du solltest ihr dankbar sein.“
Eine knochentiefe Kälte breitete sich in Madelynn aus und sank in jeden Zentimeter ihres Körpers.
Drei Jahre Kälte und Gleichgültigkeit hatten nie so geschmerzt wie diese wenigen Worte.
Alles, was sie getan hatte, ihre Geduld, ihre Hingabe und ihre endlosen Bemühungen, war für ihn immer nur die Pflicht eines Ersatzes gewesen.
Ihre Nägel gruben sich tief in ihre Handflächen, während ein bitteres Lachen ihren Lippen entwich. „Isaac, du bist widerlich.“
Millie drehte geistesabwesend eine Haarsträhne um ihren Finger, ihre Stimme sanft und leise. „Madelynn, ich verstehe, wie du dich fühlst, aber Liebe lässt sich nicht erzwingen. Wären Isaac und ich damals nicht durch ein Missverständnis getrennt worden, hättest du nie die Chance gehabt, ihn zu heiraten.“
„Verschwende deine Zeit nicht mit ihr“, sagte Isaac mit offensichtlicher Ungeduld.
Unter den hellen Lichtern wirkten seine schönen Züge kälter als je zuvor. Die unverhohlene Verachtung in seinen Augen traf tiefer als alle Worte.
Madelynn stieß ein weiteres kaltes Lachen aus. Das war also die Wahrheit. Er hatte sie von Anfang an verabscheut.
Sie hatte tatsächlich geglaubt, dass sie mit genügend Mühe sein Herz gewinnen könnte, dass Beharrlichkeit selbst jemanden so Kalten wie ihn zum Schmelzen bringen könnte.
Als er sah, dass sie schwieg, schob Isaac die Scheidungspapiere näher. „Sei klug. Unterschreib sie.“
Madelynn senkte den Blick auf die Vereinbarung. Isaac hatte sie bereits unterschrieben, und seine Unterschrift wirkte hastig und gleichgültig hingekritzelt. Von Anfang an hatte diese Ehe für ihn absolut nichts bedeutet.
Ihre Augen glitten über die Bedingungen, und ihr ganzer Körper versteifte sich.
Jeder Vermögenswert und jede Aktie würde bei Isaac bleiben. Sie würde nicht das Geringste erhalten.
Sie hätte nie gedacht, dass er so absolut rücksichtslos sein könnte.
Die Worte kamen leise durch ihre zusammengebissenen Zähne, zitternd vor unterdrückter Wut. „Du lässt mich mit nichts zurück?“
„Mit deinem Status war die Heirat in die Familie Morgan und drei Jahre als meine Frau bereits die größte Ehre, die du dir erhoffen konntest. Sei also nicht undankbar.“
Ein spöttisches Lächeln zuckte über Madelynns Lippen. Juwelenschlüssel wäre ohne sie schon längst zusammengebrochen, doch er wischte all ihre Beiträge mit einem einzigen abfälligen Satz weg.
Wenn er entschlossen war, alles zu zerstören, was sie hatte, dann würde sie dafür sorgen, dass er genauso teuer dafür bezahlen würde.
Madelynn schnappte sich die Scheidungspapiere mit beiden Händen und riss sie mitten durch.
Das scharfe, reißende Geräusch hallte durch das Büro, während zerrissene Seiten auf den Boden schwebten.
Isaacs und Millies Ausdrücke änderten sich sofort. Isaacs Stirn zog sich zusammen, während seine Augen dunkler wurden. „Madelynn, bist du verrückt geworden?“
Madelynns Stimme durchbrach die Stille, kalt und fest entschlossen. „Du willst dich von mir scheiden lassen, um deine Geliebte zu heiraten? Gut. Aber erwarte nicht, dass ich mit leeren Händen gehe. Bring mir eine faire Abfindung. Sonst wird sie nie mehr als eine Geliebte sein!“
Isaac schnappte: „Madelynn, du ...“
Bevor er zu Ende sprechen konnte, hatte Madelynn sich bereits umgedreht und war gegangen. Die Bürotür knallte hinter ihr zu und erstickte die wütenden Worte, die er gerade schreien wollte.