Ich schrie nicht. Jahre medizinischer Ausbildung in Europa hatten mich Anatomie gelehrt; das Aufwachsen in einer Mafiafamilie hatte mich das Überleben gelehrt. Mein Blut fühlte sich an, als würde es kochen, ein buchstäbliches Feuer, das unter meiner Haut wütete, aber mein Verstand blieb messerscharf. Meine Finger strichen über den feuchten Beton und schlossen sich um den Holzgriff eines Eispickels.
Ich riss die Augen auf. Mit einer Geschwindigkeit, die ihn völlig überrumpelte, drehte ich meinen Körper und rammte die Stahlspitze nach unten. Sie blieb nur wenige Millimeter tief in seinem Augenwinkel stecken.
Foy schrie auf und verlagerte sein Gewicht. Ich warf ihn um und stieß ihm rücksichtslos mein Knie in die Kehle, um ihn auf dem nassen Boden festzunageln.
„Wer hat dich geschickt?", zischte ich und drückte den Stahl tiefer.
„Hailey!", schluchzte er, während seine Hände nutzlos nach meinem Knie krallten. „Deine Cousine Hailey!"
Ich riss den Pickel heraus und ließ ihn sich windend und blutend auf dem Boden zurück. Er würde überleben. Ich brauchte ihn lebend als Zeugen.
Ich taumelte auf die Beine, während mein Blickfeld rot verschwamm. Die Hitze in mir eskalierte zu einem tödlichen Grad. Das war kein einfaches Beruhigungsmittel. Der schnelle Herzschlag, die erstickende Hitze, die meine Organe zu schmelzen schien – es war Hyperthermie. Ein chemischer Kampfstoff in Militärqualität.
Die Erinnerung an die Willkommensgala schoss mir durch den Kopf. Wie Hailey mir ein Glas Champagner reichte, ihr Blick mit unverhohlenem, giftigem Ehrgeiz auf meinen Verlobten gerichtet. Sie wollte nicht nur meinen Ruf ruinieren und meine arrangierte Ehe stehlen; sie wollte, dass ich in diesem verlassenen Kühlhaus von innen nach außen bei lebendigem Leib verbrenne.
Ich leistete einen stillen Schwur. *Vendetta*. Sie würde mit Blut bezahlen.
Aber zuerst musste ich überleben.
Ich schleppte meine schweren Glieder zum begehbaren Gefrierraum im hinteren Teil des Lagerhauses. Ich warf mein ganzes Gewicht gegen die vereiste Eisentür und riss sie auf. Die Luft unter dem Gefrierpunkt traf mich wie ein göttlicher Segen, aber der Gefrierraum war nicht leer.
Zwischen den hängenden Rinderschlachtkörpern saß ein Mann auf einer Metallbank. Er war oberkörperfrei, und seine stark vernarbte Brust hob und senkte sich in flachen, starren Atemzügen. Er strahlte eine furchterregende, unnatürliche Kälte aus, seine Muskeln erstarrt in etwas, das wie eine qualvolle Lähmung aussah.
„Geh", presste er hervor.
Es war der *Befehl eines Dons*, ein tödlicher Befehl, der absoluten Gehorsam verlangte. Selbst gelähmt von der chemischen Qual, die er ertrug, strahlte Demetrius Maddox, der Don der Maddox-Familie und unangefochtene König der Chicagoer Unterwelt, pure, mörderische Autorität aus.
Aber das Feuer in meinen Adern war dabei, mein Gehirn zu Asche zu verbrennen. Er erfror. Ich verbrannte. Er war mein einziges Gegengift.
Das tödliche Versprechen in seinen dunklen Augen ignorierend, stürzte ich nach vorn.
Mein brennender Körper prallte gegen seine starre, eiskalte Brust, und wir stürzten beide auf den frostbedeckten Boden. Ein heftiges Zischen entwich seinen Lippen, als meine fiebrige Haut sein eisiges Fleisch berührte – eine verdrehte, qualvolle Erleichterung für uns beide. Meine zitternden Finger glitten über seinen angespannten Bauch und schlossen sich um die kalte Metallschnalle seines Ledergürtels.