In ihren Augen gab es nur einen Grund, weshalb sie auf einem kleinen Markt wie diesem auftauchte.
Offensichtlich war sie gekommen, um sich ein paar männliche Wesen als ihre Diener auszusuchen.
Das unentwegte Geplapper ließ Ellas Kopf dröhnen.
Es war drei Tage her, seit sie in dieses Wer-Kreaturen-Universum transmigriert war.
In ihrem früheren Leben war sie eine gewöhnliche Büroangestellte gewesen, von endlosen Überstunden aufgerieben, und hatte sich schließlich an ihrem Schreibtisch zu Tode gearbeitet. Als sie hier, in diesem ungewöhnlichen Universum, zum ersten Mal erwachte und erkannte, dass sie eine Prinzessin geworden war, hätte sie am liebsten mit Champagner gefeiert.
Leider verflog diese Aufregung in dem Moment, als sie die eigentlichen Erinnerungen dieses Körpers aufnahm.
Dann dämmerte ihr endlich, dass sie in eine Welt eines Romans transmigriert war.
Und diesen Roman hatte sie schon einmal gelesen. Die Geschichte drehte sich um die wahre Prinzessin des Zentralen Kaiserreichs, ein weibliches Wesen vom S-Rang, das von ihrer Familie getrennt und anderswo aufgezogen worden war. Nachdem sie schließlich nach Hause zurückgekehrt war, wurde sie von ihren Eltern wie ein Schatz gehütet, von ihren beiden älteren Brüdern vergöttert und war eng mit mehr als einem Dutzend außergewöhnlicher männlicher Wesen verbunden.
Damals hatte Ella es ziemlich genossen, den Roman zu lesen. Denn zuzusehen, wie so viele herausragende männliche Figuren eifersüchtig wurden und um die Zuneigung der Heldin wetteiferten, war unbestreitbar unterhaltsam.
Aber das Problem war, dass sie nicht die Heldin geworden war.
Sie war die falsche Prinzessin, Ella, geworden.
Schon damals, als sie den Roman las, hatte Ella diese Figur nicht gemocht, die denselben Namen trug wie sie.
Das lag nicht einmal daran, dass jene Ella besonders böse war. Verglichen mit typischen Schurkinnen, die Leute vergifteten, anderen eine Falle stellten oder Auftragsmörder anheuerten, hatte jene Ella niemals unverzeihliche Verbrechen begangen. Sie war lediglich von gut aussehenden männlichen Wesen besessen, durch ihren Status verwöhnt und mit einer schwachen Geisteskraft belastet.
Dennoch schien der Autor des Romans entschlossen zu sein, jegliches Fünkchen Bosheit auf sie auszuschütten.
Sobald die wahre Prinzessin zurückkehrte, sahen die Eltern, die Ella einst verwöhnt hatten, sie sofort als Betrügerin an, die den Platz ihrer Tochter gestohlen hatte. Und beide ältere Brüder, die sie einst so erbittert beschützt hatten, verübelten ihr, dass sie alles genommen hatte, was rechtmäßig ihrer echten Schwester zustand. Noch die männlichen Wesen, die Ella einst bewundert hatte, wandten sich mit grausamen Worten gegen sie, während die Adligen, die ihr einst geschmeichelt hatten, sie offen verspotteten.
Später in der Geschichte, selbst nachdem die Figur Ella durch ein dramatisches Erwachen ihrer Geisteskraft zu einem seltenen weiblichen Wesen vom S-Rang aufgestiegen war, verlor sie dennoch vollständig gegen die überwältigende Plot-Rüstung der Heldin.
Am Ende wurde ihr alles genommen, und sie wurde auf den Ödlandstern verbannt.
Währenddessen führte die Heldin ein süßes und sorgloses Leben.
Als Ella damals dieses Ende las, hatte es sie wütend gemacht. Sie hätte nie erwartet, dass sie eines Tages selbst diesem Schicksal gegenüberstehen müsste.
Nach ihrer Transmigration dachte sie lange über alles nach und kam zu einem Schluss.
Die Geschichte hatte gerade erst begonnen, deshalb hatte sie noch eine Chance, ihre Zukunft zu ändern.
Es waren noch zwei volle Jahre, bis die echte Prinzessin zurückkehren würde.
Und die Geisteskraft der früheren Ella hatte ihr zweites Erwachen noch nicht erlebt, immer noch nur auf dem C-Rang. Jetzt musste sie sich genügend Ressourcen sichern, um sich selbst zu schützen, bevor die echte Prinzessin zurückkam.
Was das Geld anging ...
Aufgrund ihrer schwachen Geisteskraft hatte die die frühere Ella Angewohnheit entwickelt, rücksichtslos Geld auszugeben, um ihre Unsicherheit zu überspielen; selbst von ihrer enormen monatlichen Zuwendung war daher kaum etwas auf ihrem Konto übrig geblieben.
Was die Macht betraf?
So besaß die frühere Ella zwar als weibliches Wesen in diesem Universum einen hohen sozialen Status, doch ihre Geisteskraft war schmerzlich schwach. Und da sie sich als Prinzessin hatte verwöhnen lassen und jegliche Verantwortung von sich gewiesen hatte, verfügte sie im Kaiserreich über keinerlei tatsächliche Autorität.
Ella dachte die ganze Nacht nach, bevor sie schließlich ihr Augenmerk auf die männlichen Wesen richtete.
Sie plante, mit der echten Prinzessin um sie zu konkurrieren.
Natürlich hatte sie nicht die Absicht, um die männlichen Hauptfiguren zu kämpfen, die der Heldin vollkommen ergeben waren. Die männlichen Wesen, auf die sie es abgesehen hatte, waren die wichtigen Nebencharaktere, die am Ende nicht mit der Heldin zusammenkamen.
Einfach ausgedrückt, plante sie, die männlichen Wesen für sich zu gewinnen, die von der Heldin übersehen wurden, aber wichtige Kräfte hatten.
Zum Beispiel Kyson Howe, der in der späteren Handlung der treueste Wächter der Heldin werden sollte.
Kyson stammte aus einer adeligen Familie eines verurteilten Verräters. Vor zwei Jahren war seine Familie zusammengebrochen. Einige Verwandte wurden hingerichtet, während der Rest verbannt wurde. Was ihn betraf, so war er zu einem bloßen Diener degradiert worden.
Im ursprünglichen Roman war Kyson, nachdem die Heldin ihn gekauft und seine Verletzungen behandelt hatte, ihr zutiefst ergeben gewesen.
Jetzt war Ella zwei Jahre vor der Ankunft der Heldin hier. Kyson dazu zu bringen, ihr diese Loyalität zu schwören, erschien ihr als eine großartige Idee.
Mit diesem Gedanken im Kopf ging Ella weiter tiefer in den Markt hinein.
Im Roman wurde Kyson als Werwolf beschrieben.
Ella suchte fast zehn Minuten lang, konnte jedoch keinen Werwolf finden.
Der Händler neben ihr plapperte weiter.
Ella unterbrach ihn kühl: „Haben Sie irgendwelche Werwölfe?“
Der Händler hielt bei ihren Worten einen Moment inne.
In diesem Moment hellte sich plötzlich die Miene eines anderen Händlers in der Nähe auf, der es zuvor nicht geschafft hatte, sich durch die Menge zu drängen.
„Eure Hoheit, ich habe genau den, den Ihr sucht!“
Ella zog eine Augenbraue hoch und reckte leicht das Kinn. „Führen Sie mich hin.“
Er verbeugte sich sofort mit eifriger Höflichkeit und beeilte sich, sie weiter in den Markt hineinzuführen.
Schließlich blieben sie vor einer Tür stehen.
Mit einem schmeichelnden Lächeln stieß der neue Händler die Tür auf.
„Dieser hier ist zäh und kann jede Art von Arbeit ertragen. Er ist auch noch jung. Und er ist wirklich niedlich ...“
Kyson lauschte leise, während der Händler seine sogenannten „Vorzüge“ aufzählte.
Er fragte sich, wer dieses Mal seinetwegen gekommen war.
Plötzlich strömte Licht in den Raum, so hell, dass er instinktiv die Augen zusammenkniff.
Durch seine verschwommene Sicht konnte er kaum eine schlanke Gestalt ausmachen, die draußen stand.
Ein süßer, reiner Duft wehte herein und stieg ihm in die Nase.
Kyson zwang sich, den Kopf zu heben, um das weibliche Wesen deutlicher zu sehen.
Im grellen Licht konnte er nur ein Paar Augen unterscheiden, die plötzlich hell aufzuleuchten schienen.
Dann hörte er ihre klare Stimme.
„Ich nehme ihn!“